Europäische Beispiele

ExpertInnen diskutierten good practice Beispiele zu Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus sechs europäischen Ländern

Im Rahmen des Projekts stellten ExpertInnen aus sechs europäischen Ländern im Rahmen eines Workshops in Wien im Juni 2016 innovative Modelle vor, die es Männer leichter machen sollen, in Karenz zu gehen und Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.

Der von L&R Sozialforschung organisierte Workshop hatte zum Ziel, unterschiedliche Ansätze und Wege in anderen europäischen Ländern vorzustellen, die auch für Österreich Anregungen bieten können, wie die bessere Aufteilung von Betreuungsarbeit zwischen Frauen und Männern in Österreich gefördert werden kann. Dabei geht es einerseits um die gesetzlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise Karenzregelungen oder Arbeitszeitgesetze, aber auch um die betriebliche und kollektivvertragliche Praxis.

Während Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich noch immer vor allem als „Frauenthema“ diskutiert wird, sind andere Länder hier schon ein paar Schritte weiter: Männer sind Teil von betrieblichen Vereinbarkeitsstrategien, nehmen häufiger und längere Karenzzeiten in Anspruch und beteiligen sich stärker an der Betreuungsarbeit auch nach der Karenz. Dies ist unter anderem deshalb möglich, da Unternehmen in vielen Ländern bereit sind hier „mitzuspielen“ und entsprechende Modelle für Männer (wie Frauen) anbieten bzw. gelernt haben, sich diesen neuen gesellschaftlichen Ansprüchen zu öffnen und anzupassen. Diese „andere“ Unternehmenskultur wird in verschiedenen europäischen Ländern durch eine entsprechende Gesetzgebung unterstützt.

Auch wenn in keinem europäischen Land von einer tatsächlich gleichen Aufteilung der Betreuungs- und Erwerbsarbeit zwischen Frauen und Männern gesprochen werden kann, gibt es doch zahlreiche Länder, die beim Thema Männer und Vereinbarkeit schon weiter sind als Österreich.

Zusammenfassung ausgewählte europäische good practice Beispiele Väterbeteiligung

Europäische good practice Beispiele

  

Island hat schon seit längerem ein Karenzgesetz, das die Einbindung von Vätern in Karenz sehr stark unterstützt und ein sogenanntes „Use-it-or-loose-it“-Prinzip verfolgt: von der insgesamt 9 Monate dauernden Karenzzeit müssen je drei Monate jeweils von einem der beiden Elternteile in Anspruch genommen werden, sonst verfallen diese. Drei weitere Monate stehen dann noch zur freien Auswahl zur Verfügung. Die Zahlen sprechen für sich: 90% der Väter nehmen Karenzzeiten in Anspruch, mit einer durchschnittlichen Dauer von 100 Tagen.

Neue Forschungen zeigen zudem, dass die erhöhte Teilnahme an Karenz dazu führt, dass in Island auch nach der Karenz die gerechteste Aufteilung der Betreuungsarbeit zwischen Frauen und Männern europaweit besteht.   

⇒zur Präsentation Island (Ingólfur V. Gíslason)


Nicht ganz unvergleichbar ist das System in Schweden. Von den insgesamt 16 Karenzmonaten sind – symbolisch – jeweils acht für einen Elternteil reserviert. Ein Teil kann aber per „Überlassung“ an den Partner bzw. in der Realität zumeist die Partnerin abgegeben werden, drei Monate können jedoch nicht überlassen werden, sind also ebenfalls eine „use-it-or-loose-it“-Quote. Die Karenzzeit kann sehr flexibel bis zum 12.Lebensjahr des Kindes genutzt werden. 

⇒zur Präsentation Schweden (Ann-Zofie Duvander)


In den Niederlanden – bekannt als die Teilzeitkultur Europas - besteht nach 16 Wochen Mutterschutz und zwei Tagen Vaterschaftsurlaub – jeweils voll bezahlt – die Möglichkeit maximal 15 Monate Karenz in Anspruch zu nehmen, wobei der Großteil unbezahlt und lediglich mit einer Steuerreduktion verbunden ist. Einen besonderen Stellenwert haben diesbezüglich die Kollektivverträge in den Niederlanden: So wird etwa im Gesundheitsbereich und auch im öffentlichen Sektor hier ein finanzierter Elternurlaub festgehalten und zwar zwischen 40% und 75% des ursprünglichen Einkommens. 2009 traf dies jedoch nur auf rund 10% der Kollektivverträge zu, was natürlich entsprechend große Unterschiede nach Sektoren mit sich führt. 

⇒zur Präsentation Niederlande (Laura den Dulk)


Slowenien kann auf Ebene der gesetzlichen sowie kollektivvertraglichen Ebene als durchaus beispielgebend für Österreich wirken: die Elternkarenzgesetzgebung wurde 2014 komplett geändert, mit dem Ziel, bestehende Ungleichheiten in der Inanspruchnahme zwischen Frauen und Männern zu reduzieren. 

⇒zur Präsentation Slowenien (Irena Štamfelj)


Während Deutschland lange mit Österreich hinsichtlich der niedrigen Beteiligung von Männern an Karenz und Kinderbetreuung vergleichbar war, kommt es derzeit in Deutschland schön langsam aber sicher zu einer weitgehenden Ablösung des Modells vom „männlichen Ernährer". Mit der Einführung des Bundeselterngeldes 2007 sind auch Männer als Nutzer von Elternzeiten sichtbar geworden: von einer kleinen Minderheit (3,5% 2006) hin zu einem guten Drittel der Väter verlief die Steigerung hin zu einer neuen Normalität. Vor allem auf Betriebsebene zeigt sich vielfach, dass manche ArbeitgeberInnen diesen neuen Trend für sich zu nut­zen wissen. Sie locken im Kampf um Talente gezielt die Väter der jüngeren Generation mit Angeboten fa­milienfreundlicher Arbeitszeiten. Zwei „Vätermonate“ gelten in vielen Organisationen als ein Standard, der im Arbeitsumfeld aufgefangen werden muss und kann. In den vergangenen Jahren sind einige Erfolgsfakto­ren und sinnvolle Maßnahmen diskutiert worden, die einen Kulturwandel in Unternehmen unterstützen.

⇒zur Präsentation Deutschland (Marc Gärtner)